Av-Zell im Wiesental

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Vorweihnachtliche Gedanken

Liebe Mitglieder, Freunde und Gönner,

Mit dem Herbst färben sich nicht nur die Wälder rund um die Wiese bunt, sondern bei den kräftigen Regenfällen der letzten Tage ist auch unser Fischwasser manchmal kaffeebraun gefärbt mit silbernem und goldgelbem Glitzern auf den Wellen.
Schon seit Mitte Oktober sammeln sich vereinzelt Bachforellen an den vielen Bachmündungen, um jetzt ungestört und in aller Ruhe in ihre Laichhabitate aufzusteigen.
Die Laichbetten kann man bei Spaziergängen und geduldiger Suche entlang der Nebenbäche und auch entlang der Wiese finden.
Bei schönen Tagen, die der Herbst an der „Zeller Wiese“ oft anbietet, ist dies für viele von uns ein Aufladen der Seele für die kommende lange Winterzeit.

Auch für mich die Zeit, um zurück zu schauen auf die vergangene Saison und etwas nachzudenken, was gut und was weniger gut war.
Verbunden mit Erinnerungen an Gespräche mit manchen Anglerkollegen.
Für viele wird dieses Rückblicken eine positive Bilanz zeigen mit erfolgreichen Tagen und besinnlichen Stunden am geliebten Fischwasser. Ein paar schöne Forellen wurden sicher gehakt und gelandet.
Dieses ist mir nicht immer gelungen und manche „Kapitale“ hat sich noch vor dem Kescher mit einem  - nennen wir es mal „freundlichen Lächeln“ -  verabschiedet und ist wieder in den Fluten verschwunden.
Na ja, nächstes Jahr gilt es auf ein Neues.
Gott sei Dank hat sie sich vom Haken ohne Widerhaken unverletzt lösen können.
Auch die Hakengröße von max. 8 spielt hier eine nicht unbedeutende Rolle, da sich die Fische bei kleineren Haken weit weniger verletzen. Der weggelassene Widerhaken trägt das seine dazu bei.
Wie ich finde, sehr sinnvolle Vorgaben, an die sich mittlerweile alle Fliegenfischer halten.
Abgekommen oder neudeutsch ausgestiegen  - egal, der Kormoran wird ihn schon nicht holen während der langen Winterzeit. So hoffe ich doch.

Apropos Kormoran.
Dieser schwarze Vogel ist von den Vogelschützern und dem Naturschutzbund (NABU) zum Vogel des Jahres 2010 gekürt worden.
Ich empfinde dies nicht als Provokation gegen uns Angler, sondern ist wohl eher  - da den Vogelschützern die Argumente ausgehen -  als reine Verzweiflungstat zu werten.
Ist ja auch schwer zu vermitteln, dass eine Population mit über 2 Millionen dieser Vögel in Europa im Bestand bedroht sein soll.
Dieses Argument ist meiner Meinung nach geradezu lächerlich.
Walter und ich haben dies bei einer „Kormorananhörung“ im Landtag in Stuttgart live miterlebt und die schwer zu vermittelnden Argumente der Vogelschützer vernommen.

Warum dieser Vogel des Jahres immer noch bedroht sein soll, haben wir und die anderen anwesenden ca. 200 Angler nicht verstanden. Der Kormoranbestand in Europa ist so zahlreich verbreitet wie niemals je zuvor.
 

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Auch wir können diese Räuber alljährlich an unserer Pachtstrecke seit den 90er Jahren beim Jagen beobachten.
Der angerichtete Schaden ist sehr hoch, da in der Hauptsache die laichfähigen Jahrgänge unserer Bachforellen betroffen sind.
Ein unermesslicher und nicht wieder gut zu machender Schaden für die Zukunft der Forellenbestände!

Gott sei Dank gibt es seit März 2009 die Entscheidung von Brüssel, dass jedes Mitgliedsland die Kormoranbestände legitim selbst regulieren kann.
Schon Mitte Oktober haben wir uns deshalb mit den hiesigen Jägern an einen Tisch gesetzt, um die vom Landratsamt genehmigten Vergrämungen zu besprechen.
Bei der Ankunft der ersten Kormorane werden wir gemeinsam mit den Jägern die notwendigen Maßnahmen zum Erhalt der Forellen einleiten.

Walter und ich sind uns einig: Solange dieser Vogel sein Unwesen an der Wiese treibt, kann der Fischbestand nur durch zusätzliche Kompensationsbesätze aufrecht erhalten werden.
Ohne diese Besätze wären unsere Bestände längst in ihren Grundfesten und auf Dauer geschädigt.
So werden wir auch in der kommenden Saison wieder einiges über das normale Maß hinaus gehende am Wasser zu tun haben.

Um die Forellenbestände und die damit verbundene Selbstverlaichung weiterhin aufrecht zu halten, haben wir uns entschieden, zum Schutz der besten und gesündesten Laichforellen ein oberes Schonmaß einzuführen. Dieses liegt bei 50 cm und gilt ab 2010.
Eine Forelle mit 50 cm darf also nicht mehr entnommen werden und muss äußerst schonend wieder zurückgesetzt werden.
Nach unserer Auffassung sollten solche gesunde Elterntiere einfach mehrere Jahre hindurch die Chance haben, ihren Laich in die Wiese und die Nebenbäche abzulegen.
Wir sind überzeugt, dass wir mit dieser sinnvollen Maßnahme die Zustimmung aller Fliegenfischer finden und auch alle mitziehen werden.
Darüber hinaus können wir ab nächster Saison pro Tag 3 Forellen anstelle von 5 Forellen entnehmen. An einem Tag des Monats dürfen wir 5 Forellen mitnehmen. Mit diesen notwendig gewordenen, neuen Vorgaben erhalten wir unsere Fangmöglichkeiten für die nächsten Jahre und sichern somit die Bestände.
Natürlich dürfen wir bei all dem den Spaß an unserem Hobby nicht vergessen.
Wir sind der Meinung: Fischer sollen Fische fangen - in einem vernünftigen und für alle vertretbaren Rahmen.
Also, ich werde mich an den langen Winterabenden hinter den Bindestock klemmen und einige neue Fliegenkreationen binden.
Die dazu passenden neuen Materialien und Techniken habe ich in den Zeitschriften und im Web schon gesehen.
Ihr wisst ja, eine selbstgebundene schöne Fliege macht Freude, ganz besonders, wenn sie dann auch noch Fische fängt.
Also es gibt viel zu tun. Viel Spaß dabei!

Hans und Walter